Geschichte des Jungfernstieg

9.-13. Jahrhundert

Das Stadtbild von Hamburg heute ist geprägt von viel Grün und viel Wasser: Die Elbe und die Alster gehören dazu, ebenso der Stadtpark und Planten un Bloomen. Doch als Hamburg im 9. Jahrhundert gegründet wurde und es die Grünanlagen noch nicht gab, war die Alster ein ganz gewöhnlicher Fluss, der in einem kleinen Delta in die Elbe floss. Mit dem Bau eines Damms 1235 änderte sich das: Quer durch die Alster wurde er angelegt und es wurde eine Kornmühle gebaut. Heute ist der Damm, der damals noch nach dem Müller Reese benannt war, die zweitbekannteste Straße der Stadt: der Jungfernstieg.

16.-19. Jahrhundert

Als der Alstersee nach dem Dammbau entstanden war, wurden die umliegenden Straßen wie Jungfernstieg, Neuer Jungfernstieg und Ballindamm zu beliebten Flaniermeilen. Weil die hübschen Hanseatinnen gern an der Alster flanierten, nannte man die Promenade ab 1648 offiziell Jungfernstieg. Und so kam es, dass die Hanseaten auch schon vor Jahrhunderten auf "Alsterschüten" ihre Fahrten mit Musik genossen. Der Dichter Friedrich von Hagedorn (1708-1780) pries den großen See mitten in der Stadt, der selbst unterkühlte Hanseaten ins Schwärmen bringt: "Die Alster lehrt gesellig seyn!" Mit der "Alina" ging am 15. Juni 1859 der erste Linienbetrieb über die Alster bis zum Mühlenkamp und nach Winterhude hinauf... Doch in den Straßen, vor allem am Jungfernstieg, schrieb die Stadt Geschichte: So wie die Straße selbst weltweit bekannt ist, dürfte der Alsterpavillon, eröffnet 1799, und nunmehr der sechste in Hamburgs Geschichte, ebenfalls eines der bekanntesten Gebäude in der Hansestadt sein. Als besonderes gesellschaftliches Glanzstück war das Café von Anfang an als beliebter Treffpunkt für Prominente und Neugierige. Das Gebäude hat im Laufe der Jahre immer wieder aufwendige Umbauten erlebt. Je nach Zeitgeist war es mal karg, mal opulent.

1944

Der Jungfernstieg bekommt eine eigene U-Bahn-Station

1950

Die Alsterarkaden, eine stark besuchte Seitenstraße des Jungfernstiegs und Ziel vieler Architektur-Touristen, werden nach Veränderungen im späten 19. Jahrhundert und Schäden im 2. Weltkrieg in ihren ursprünglichen Formen wiederhergestellt.

1980

Der Jungfernstieg ist längst Hamburgs Einkaufs- und Promenadenstraße. Doch langsam verliert der Prachtboulevard von einst seinen Exklusivstatus. Zwar befinden sich bedeutende Traditionshäuser wie das Alsterhaus und exquisite Geschäfte wie die Galerie Langenhagen und Harnisch oder auch das Schuhhaus Prange sowie Juweliere Wempe und Kern, die Hamburger-Hof-Passage und das Streit's Kino in der Straße. Doch der Glanz bröckelt. Eine schwierige wirtschaftliche Entwicklung sowie die Entwicklung im Einzelhandel und die große Konkurrenz machen sich bemerkbar.

2000

Geschäftsleute am Jungfernstieg und das City Management sagen den illegalen Graffiti-Schmierereien und dem sich langsam einschleichenden Schmuddel den Kampf an. Die Hanseaten wollen nicht mehr hinnehmen, dass der Alsteranleger und der Jungfernstieg als das Herzstück der Stadt weiter verkommt. Pflanzen sollen die Schmierwut verhindern.

2001

Demonstrationen und Kundgebungen aller Art locken zwar Tausende Schaulustige an, doch bei den Geschäftsleuten am Jungfernstieg wächst der Unmut.

2002

Im Juli wird das Ergebnis des Ideenwettbewerbs zur Neugestaltung des Jungfernstiegs präsentiert. Dieser Wettbewerb war im April 2002 durch die Freie und Hansestadt Hamburg mit Unterstützung der Stiftung "Lebendige Stadt" ausgelobt worden, 92 Arbeitsgemeinschaften aus aller Welt hatten sich um die Teilnahme beworben. Mit dem ersten Preis wurde der Entwurf der Arbeitsgemeinschaft WES+Partner(Landschaftsarchitekten) und André Poitiers (Architekten) ausgezeichnet. Der Verein Lebendiger Jungfernstieg wurde neu gegründet, um Spenden für den Umbau einzuwerben. Er organisiert die komplette Umgestaltung des Alsteranlegers. Auf der Homepage des Vereins finden sich weitere Informationen über die Umbaupläne.

2003

Im Januar spendet der Hamburger Versandhaus-Pionier und Mäzen Professor Dr. h.c. Werner Otto 5 Millionen Euro zur Neugestaltung des Jungfernstiegs. Otto: "Ich habe viele Städte in der Welt kennen gelernt. Kaum eine andere Stadt hat in der derzeitigen Situation eine so einmalige Chance und auch die Kraft, eine völlig neue Qualität in die Stadtmitte zu bringen. Nachdem ich den Schritt gegangen bin, den städtebaulichen Wettbewerb zu finanzieren, will ich jetzt ein Zeichen dafür setzen, dass sich Visionen auch verwirklichen lassen." Kulturelle Veranstaltungen sollen den Jungfernstieg wieder lebendiger machen. Im Juni wurde ein großes Sommerfest veranstaltet. Im Mittelpunkt ein 100 Meter langer Laufsteg, auf dem sich unter anderem der Hamburger Schachklub einem großen Publikum präsentierte.

2004

Das Alsterhaus wird umgebaut und modernisiert. Große Plakate sowie Berichte in den Medien kündigen die Umbaumaßnahmen an. 2005 soll der Jungfernstieg wieder die prachtvolle Flaniermeile sein, die sie einstmals war. Aktiv begleitet werden die Maßnahmen auch von der Interessengemeinschaft Jungfernstieg, die ebenfalls aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht ist.

06. Sept. 2004

Baubeginn am Jungfernstieg
Insgesamt wird der Bau über 15 Millionen Euro kosten. Die Hälfte wird durch private Spender und Anlieger finanziert.
Statistische Daten zur Neugestaltung:
Für die Neugestaltungsarbeiten waren erforderlich
560 m neue Uferwand
1300 m³ neuer Beton
750 m³ Abbruch Beton und Mauerwerk
4400 m³ Rückbau Bestandsuferwand
1800 m³ Auffüllung neuer Flächen
4.700 m³ Bodenaushub
11.000 m² neuer Plattenbelag des Typs "Jungfernstieg"
860 m Stufen
47 Silberlinden
63 Spender-Rollbänke

20. Mai 2006

Feierliche Eröffnung
Nach nur 21 Monaten Bauzeit wird der Jungfernstieg nach seiner Neugestaltung offiziell eröffnet. Mit einem riesigen Fest über 3 Tage feiern die Hamburger Ihren neuen Prachtboulevard. Endlich ist er vollendet und erstrahlt in seiner ganzen Schönheit. Die gute Stube Hamburgs ist renoviert.

2012

07. Mai 2012 - Ab heute haben die Hamburger ihren Jungfernstieg zurück. Für den Anschluss der neuen U-Bahn-Linie U4 musste die Hamburger Hochbahn AG (HOCHBAHN) 2008 eine Baustelle auf dem Anleger Jungfernstieg einrichten. Aktuell laufen die letzten Restarbeiten, Hamburgs Prachtboulevard kann aber von der Öffentlichkeit wieder voll genutzt werden.

Wo vor einigen Monaten noch die Zielschächte der Tunnelbohrmaschine V.E.R.A. lagen, präsentiert sich der Jungfernstieg nun wieder in neuem alten Glanz. Während der vier Jahre Bauzeit wurde die U4-Baustelle am Jungfernstieg zur „Schaustelle". Im U4-Infopavillon konnten sich fast eine Million Menschen über das Großprojekt informieren. Auch die weltweit erste hinterleuchtete Bauzaungalerie mit wechselnden Ausstellungen sowie der provisorische Alsteranleger fanden Anklang in der Bevölkerung.

In Anwesenheit des Senators für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, Frank Horch, des Oberbaudirektors Prof. Jörn Walter, des Kuratoriumsvorsitzenden der Stiftung „Lebendige Stadt", Alexander Otto, und des HOCHBAHN-Chefs Günter Elste wurde der Anleger Jungfernstieg gemeinsam mit Gästen, Besuchern und Passanten wiedereröffnet. Zur Feier der Wiedereröffnung wurde mit musikalischen Einlagen, buntem Rahmenprogramm und U4-Sitzkissen zum Verweilen am Jungfernstieg eingeladen.

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